Sean Chambers (Review RockTimes)

Sean Chambers, Support Bourbon Street – Konzertbericht, 16.12.2018, Zaal Thijssen, Deurne-Vlierden (NL)

…auf der Bühne, Blues
  1. Dezember 2018
Von Joachim ‘Joe’ Brookes
Künstler: Bourbon Street, Sean Chambers Musikstil: Blues, Blues Rock
Location: Keeping The Blues Alive.nl, Zaal Thijssen Deurne-Vlierden (NL)

 

Sean Chambers’ Tourtermine für Anfang bis Mitte Dezember 2018 waren fest in europäischer Hand.
Laut der Keeping The Blues Alive.nl-Facebook-Seite war es »[…] his first tour on the continent. […]«
Hinzu kam, dass der Gig in Deurne-Vlierden der einzige Auftritt in den Niederlanden war. Einmalig spielte der US-Amerikaner auch ein Konzert in Deutschland (Blues Club Chiemgau, Rimsing). Außerdem machte der Blues-Rocker Station in der Slowakei, Tschechien, Frankreich sowie Belgien. Im Gepäck befand sich unter anderem sein Album aus dem Jahr 2018 Welcome To My Blues.
Bourbon Street ist eine vierköpfige Blues-Band aus Belgien und selbst bezeichnet man die Musik als »Blues with a Twist« oder »Blues that rock’s«
Alle Bourbon Street-Musiker haben eine mehr oder weniger bewegte Vergangenheit hinter sich. So spielte der niederländische Gitarrist René Niessen unter anderem bei Honeytrap, Blues Bomb oder D.C. Dedly’s.
Mario Jossels aka ‘Little ‘M’ ist der singende Bassist der Band. Zwischen 1988 und 1990 trommelte er bei Matt’s Madhouse. Danach spielte er bis 1994 in der Gruppe Bluesin’ Hoegies Gitarre und nach einer Pause stieg er als Bassist bei Two Inch Barrel ein. Seit 2010 zupft er die dicken Saiten bei Bourbon Street.
Luc Boonen aka ‘Daddy Bean’ ist der Harper der Band. Auf seiner Visitenkarte stehen Midnight Ramble, Chebul.
Chopstick Willie’, mit bürgerlichem Namen Wilfried Claesen, spielte bereits in einer Schulband Schlagzeug. Der Wehrdienst legte das Trommeln sozusagen auf Eis und irgendwann wechselte er das Instrument und »[…] decided to go to the Pop & Jazz Academy in Genk where he graduated cum Laude on guitar. […]«  Nach einigen weiteren Stationen wie zum Beispiel The Blueskeeters fand der Schlagzeuger seine Heimat bei Bourbon Street.

 

 

 

Bourbon Street beim Keeping The Blues Alive.nl

Schmuddelwetter draußen, im Zaal Thijssen murkelig warm. So konnte der Blues bei einer beträchtlichen Zuschauermenge kurz nach 15:00 Uhr los gehen.
Während ihres Gigs sorgte Bourbon Street für ordentlich gute Laune im Rund der Location.

Die Mischung aus eigenen Kompositionen sowie Coversongs gab eine tollen Einblick in die Fähigkeiten der Formation. Das Quartett servierte neben Nummern aus dem Slow Blues-Bereich auch klasse Songs des Blues-Ablegers Boogie. So sorgte der “Judgment Day Blues” für mächtig gute Laune und das in Anlehnung an Popa Chubby groovende “Lip Service” gehörte zu einem der Highlights des Gigs.
Der singende Bassist punktete nicht nur mit seiner Dynamik auf den dicken Saiten, sondern auch durch seine raue Stimme, die sowohl zur verlangsamten wie auch flotten Version des Zwölftakters passte. Außerdem spickte man den Auftritt mit Gitarren- beziehungsweise Harp-Soli. René Niessen und Luc Boonen gaben sich da reihenweise die Einzelaktionen-Klinke in die Hand, spielten in tollen Frage-Antwort-Situationen oder unisono zusammen. Feeling und Virtuosität sorgten für Szenenapplaus. Klasse!
Bei “Never Forgotten” ging es in Richtung Country Blues mit Lagerfeuer-Romantik und dem wohl sentimentalsten Instrumentalteil des Auftritts.
Wilfried Claesen sorgte stets für den passenden Beat/Groove und Luc Boonen entpuppte sich als ein Meister der herrlichen Harp-Fills. Er setzte sein Highlight, als er in der Nähe des Bühnenrands ein beseeltes Solo im Knien spielte. Perfekt! Beifall!
Mario Jossels hielt sich quasi nur beim Singen an einem festen Punkt auf. Er war sozusagen überall auf der großzügigen Bühne unterwegs.
Bei den “Monday Lovers” schraubte man für ein sinnliches Intermezzo die Dynamik runter und der Hutträger René Niessen liebäugelte phasenweise mit dem Sound eines Stevie Ray Vaughan.
Bei der letzten Nummer vor der rockenden Zugabe “Drunk” sorgte Wilfried Claesen durch sein Schlagzeug-Solo für Begeisterung. Am Ende des Gigs hatte man Bourbon Street nicht nur in der Rolle des Einheizers gesehen. Wie oben zitiert, gab es ‘Blues that rock’s’ und mehr in überzeugender Art und Weise präsentiert. Toll!

Line-up Bourbon Street:

René Niessen (guitars)
Mario Jossels (bass)
Luc Boonen (harmonica)
Wilfried Claesen (drums)

 

Geradezu locker eröffnet Sean Chambers und seine vorzügliche Band den frühen Nachmittag mit dem herrlich groovenden Instrumental “Chicken Shack”. Zur Solo-Vorstellungsrunde gehörte natürlich der Frontmann und Keyboarder Rick Curran, der noch öfter die Gelegenheit bekam, sich kompetent in Szene zu setzen. Bei einem Blick in die Zuschauerrunde bemerkte man ordentlich Bewegung in der Masse. In langsamerer Geschwindigkeit packten Sean Chambers & Co. in Form von “Full Moon On Main Street” ein wunderschönes Geschenk in den Adventsstiefel und auch diese Nummer sollte nur einer der strahlenden Sterne der vorweihnachtlichen Blues-Zeit im Zaal Thijssen sein.
Blues Rock-Alarm in der Location. Die Sean Chambers Band entfachte eine wahren 12-Takter-Wirbel, als das Quartett wie ein Feuerwerk “Ten Til Midnight” auf das Publikum losließ. Mit einer wohl temperierten Härte und erhöhter Geschwindigkeit entledigte sich die Formation von einem gewissen Teil des Adrenalinspiegels.
Aus der Abteilung Blues-Sandards bot der Bandleader mit dem Rückwind einer tollen Begleitband einige klasse Coversongs auf. Unter anderem gab es inspirierte Interpretationen von “Cherry Red Wine” (Luther Allison), B.B. Kings “Be Careful With A Fool” oder “Choo Choo Mama” von Ten Years After.
“You Don’t Love Me” widmete er Gregg Allman und fügte dieser Nummer selbstredend einen Southern Rock-Touch bei.
Das Bottleneck hatte während der gesamten ersten Spielzeit Pause. Erst nach der zirka halbstündigen Zeit am Verkaufsstand kam das Metallröhrchen zum Einsatz. Und wie! In “Red Hot Mama” slidete der Protagonist mit Rock’n’Roll-Verstärung und bei einem Sean Chambers-Konzert ohne einen Bezug zu Hubert Sumlin würde wohl ein wichtiger Bestandteil fehlen. Die Howlin’ Wolf-Nummer “Killing Floor” sollte für eine dicke Gänsehaut sorgen. Toll!
In den Gefilden des Slow Blues steigerte sich der Frontmann in einem Solo aus der Gelassenheit hin zur Ausgelassenheit und zeigte, dass auch er die ganz großen Töne des Blues beherrschte.
Die Dramaturgie des Gigs hatte es in sich. Die Coversongs über die lange Konzert-Distanz schön verteilt, brachte Sean Chambers die Begeisterung zum Brodeln als er nur den “Bullfrog Blues” von Rory Gallagher angekündigte. Abgefeiert wurden Sean Chambers und seine Band dann auch in der Zugabe, die gar nicht lange auf sich warten ließ.
Mit viel Druck nach vorne, einer Einkehr beim Slow Blues und gekonnten Cover-Versionen kamen die Zuschauer voll auf ihre Kosten. Man kann nur hoffen, dass Sean Chambers mit dieser beeindruckenden Band bald wieder den weg nach Europa findet.
Am 20. Januar 2019 gibt es ein besonderes Konzert. Giles Robson wird mit einer speziell für diesen Termin von ihm zusammengestellte Blues Alive Revue auftreten. Als Support wird die von Jose Ramirez sowie Thomas Toussaint gebildete Ramirez/Toussaint Band angekündigt.
RockTimes bedankt sich bei Theo und Martin vom KeepingTheBluesAlive.nl für den Platz auf der Gästeliste.

 

Line-up Sean Chambers:

Sean Chambers (guitars, vocals)
Rick Curran (organ, keyboards)
Todd Cook (bass, backing vocals)
Scott Phillips (drums)


 

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